Billiger! Billiger! Lautstark bieten und boten Standlerinnen und Standler auf Märkten allerhand Trödel feil. Und damals wie heute genossen die Tandler nicht immer den besten Ruf, konnte sich doch auf Nachfrage hinter den geraunten Worten "Verkäufer unbekannt" auch einmal gestohlene Ware verbergen.

So verfluchten wohl Liebhaber des Drahtesels gemeinsam mit einem gewissen Comptoiristen Karl Reißberger, dem sein Fahrrad direkt aus dem Flur seines Wohnhauses in der Donaumetropole entwendet worden war, nicht zuletzt die Altwarenhändler. Unser Blatt berichtete in der Spätausgabe "Wiener Abendpost" vom Samstag, den 26. August 1899, von diesem Delikt und obendrein von einer abenteuerlichen Flucht. Der Langfinger, ein Mechaniker-Gehilfe, sprang aus einem Fenster des ersten Stockwerkes und entkam. Das Diebsgut, zu dem auch ein zweites Stahlross gehörte, hatte er unmittelbar nach der That gemeinsam mit einem Komplizen auf dem Tandelmarkt gegen ein Tandem umgetauscht.

Anno 1899 brachte der Halunke das Rad wohl zum Roßauer Glacis. Die dort seit 1864 bestehende Markthalle war von etwa 200 Tandlern (auch Frauen) erworben worden, nachdem die "Wiener Stadterweiterungs- und Verschönerungs- Commission" den vorigen Standort am Heumarkt u.a. wegen häufiger Überflutungen bemängelt hatte. Bis 1944 standen die Holzhütten der Händler in der Roßau im Bezirk Alsergrund zwischen der heutigen Berggasse und Türkenstraße.

Unter diesen Ständen in der Roßau lagerte man ab 1864 Altwaren in Kellergewölben. - © Bild: "Die Bühne" 1927/WZ-Kolorierung
Unter diesen Ständen in der Roßau lagerte man ab 1864 Altwaren in Kellergewölben. - © Bild: "Die Bühne" 1927/WZ-Kolorierung

So besaßen die Trödelverkäufer, die seit dem 17. Jh. in Wien diverse Plätze vor allem in den Vorstädten nutzten, ein hervorragend geeignetes Areal. Es lag über unterirdischen Gewölben, die als Keller Verwendung fanden und zum Gutteil aus alten Stadtmauern bestanden. Hier konnte man Geschäfte machen!

Wie "in einer ungeheuren Bienenwabe voll Gerumpel und Menschen" beschreibt Adalbert Stifter in "Der Tandelmarkt" die geschäftige Atmosphäre, diesfalls noch am Heumarkt. Der Text erschien erstmals im "Pesther Tageblatt" 1843 in Fortsetzungen und erzählt von der "Sammlung uralter hölzerner Hütten". Was alles "Gegenstand des Tandlers sei", so der Literat, reiche "von dem kostbaren Perlenschmuck (...) bis zu dem einzelnen, verrosteten Schuhnagel (...). Alle Stände, alle Alter und Geschlechter, alle Zeiten" seien hier vertreten.

Feilschen stand an der Tagesordnung - dabei aber nicht nur das schnelle Geld, denn Tauschgeschäfte oder Kredite waren häufig.

Den Standlern eilte, oft zu Unrecht, ein schlechter Ruf voraus. Kundschaft fürchtete etwa, dass Altes als Neues veräußert würde, oder nicht geeichte Waagen zum Einsatz kämen. Daher waren die Verkäufer größtenteils um Aufrichtigkeit bemüht, denn Betrügereien beförderten den geschäftsschädigenden Argwohn. Außerdem mussten sie bei Missetaten mit Verlust ihrer Verkaufslizenz, also ihrer Existenzgrundlage, rechnen. Grund genug, sich vor halbseidenen Geschäften zu hüten.