- © "WZ"-Faksimile: Moritz Szalapek
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Er war einst Konkurrenz für die Gebrüder Thonet, deren Möbel aus gebogenem Holz bis heute auf der ganzen Welt bekannt sind: Der Wiener Tischler Josef bzw. Joseph Neyger, der diese Anzeige am 2. September 1862 in der "Wiener Zeitung" schaltete, fertigte Möbel mit ähnlicher Optik. Da das Biegen massiven Holzes durch die Thonets geschützt war, arbeitete Neyger u.a. mit Schichtverleimung.

Ein Leimtopf war es auch, der dem Unternehmen wenige Jahre später zum Verhängnis wurde. In der Werkstatt, damals bereits Mariahilfer (Haupt-)Straße 120 und unter der Leitung von Neygers Witwe Marie, brach in der Nacht von 3. auf 4. März 1869 beim Leimsieden ein Feuer aus, das rasch auf das ganze Haus übergriff. Die Bewohner konnten gerettet werden. Der Werksführer Wenzel Slaviczek rannte mehrmals in die bereits lichterloh brennenden Arbeitsräume und brachte laut einem Zeitungsbericht Firmenbücher etc. in Sicherheit. Als er noch eine Handkassa holen wollte, kehrte der Witwer und Vater zweier kleiner Kinder nicht mehr zurück. Man fand später die verkohlte Leiche.

Der wirtschaftliche Schaden war enorm. In der Möbelfabrik sollen zu diesem Zeitpunkt hunderte Sessel gelagert worden sein, bestimmt für den Export nach Afrika. Kein Jahrzehnt nach dem Brand, 1878, ging Marie Neyger in Konkurs. (reis)