- © WZ-Faksimile: M. Szalapek
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Wieviele Kutscher hätten wohl aus dem Verkehr gezogen werden müssen, wäre man im Biedermeier mit einem Alkomaten ausgerückt und hätte die heutige Promillegrenze von 0,5 gelten lassen?

Wir wissen es nicht. Aber die hier faksimilierte Anzeige aus der "Wiener Zeitung"-Beilage "Allgemeines Intelligenzblatt" vom 30. Oktober 1838 lässt Rückschlüsse zu. Der in der Donaumetropole angesiedelte Stadtlohnkutscher Johann Georg Mayer wirbt nämlich damit, sein "Hauptaugenmerk . . . auf Beygebung verläßlicher und nüchterner Kutscher" zu richten. Selbstverständlich war dies offenbar nicht. Die "P. T. Fahrlustigen" taten sicher gut daran, auf den Zustand bzw. die Fahne des Wagenlenkers zu achten.

Sonst erging es ihnen womöglich wie jenen beiden Bauern aus der Gegend von Dresden, die mitsamt dem gemieteten Fahrzeug und den vorgespannten Pferden in eine Kiesgrube stürzten, während der stockbesoffene Kutscher, der seine Rösser am Zügel geführt hatte, lautstark fluchend oben am Rand stehen blieb.

Diesen Vorfall, der mit zwei Verletzten noch relativ glimpflich ausging, führte ein sächsisches Blatt 1834 als eines von zahlreichen Beispielen für Unfälle mit Alkolenkern an. Dass die Lage in der Donaumetropole nicht viel anders gewesen sein dürfte, ist anzunehmen. Als erste Maßnahme forderte der Autor des Artikels die Gastwirte auf, Kutschern "durchaus gar keinen Branntwein, sondern zur Stillung ihres Durstes nur Bier" auszuschenken. Na dann, Prost!