"WZ"-Faksimile
"WZ"-Faksimile

Eine nackte Frau in einem mit Draperien ausstaffierten Boudoir - eine solche Darstellung würde man wohl kaum in der hochseriösen "Wiener Zeitung" von anno 1820 vermuten. Zumal Bilder in dieser Zeit generell äußerst selten waren. Die oben wiedergegebene Szene schmückt eine am 4. November dieses Jahres in der "WZ"-Reklamebeilage "Allgemeines Intelligenzblatt" erschienene Anzeige und soll die Toilette der römischen Schönheits- und Liebesgöttin Venus zeigen. Die "Parfumerie-Handlung des Anton Mittrenga", die auch unter dem Namen "Zur Venus" bekannt war, teilte ihren Kundinnen und Kunden mit, dass sie von der Wiener Plankengasse in ein Haus im "Jungferngässel" übersiedelte.

Dort, im kurzen Verbindungsstück zwischen Graben und Petersplatz, sollte das Geschäft die nächsten zwei Jahrzehnte lang seinen Sitz haben, bevor es 1840 ins Waaghaus am Haarmarkt (heute ein Teil der Rotenturmstraße) zog.

Mit seinem per Annonce angepriesenen Sortiment versuchte Mittrenga wohl nicht nur Damen der gehobenen Gesellschaft anzusprechen, sondern auch deren Ehegatten. "Jamaica-Rhum", "Franzbranntwein" oder "Kirschenwasser" lassen vermuten, dass auch Herren in der "Venus" ihre Einkäufe tätigten.

Spezialitäten des Hauses waren später die eigens kreierten Essenzen "Wiener Wasser" sowie "Schweizer Toiletten-Oel".

Übrigens: Der im Inserat erwähnte Michaelitag (29. September) spielte früher eine wichtige Rolle als Zinstag, u.a. bei Mietvereinbarungen, aber auch bei Dienstverhältnissen etc. Die wichtigste traditionelle "Ausziehzeit" neben Michaeli war der Georgitag im April.